Linkjuice: Die Kraft hinter jedem Link verstehen und optimieren
Joel Heuchert
SEO Experte
Linkjuice beschreibt die Autorität und Vertrauenswürdigkeit, die durch einen Link von einer Seite zur anderen weitergegeben wird. Stell dir Linkjuice wie einen Strom vor, der durch das Netz von Webseiten fließt – je stärker die Quelle, desto kraftvoller der Fluss. Wir bei SEO Mannheim beobachten täglich, wie die richtige Verteilung von Linkjuice Rankings massiv beeinflußt.
Der Begriff stammt noch aus der PageRank-Ära von Google, hat aber bis heute seine Relevanz behalten. Wenn eine authoritative Webseite auf deine Inhalte verlinkt, gibt sie einen Teil ihrer "Link-Power" an dich weiter. Das funktioniert sowohl für Backlinks von externen Domains als auch für interne Verlinkungen innerhalb deiner eigenen Website.
Wie Linkjuice durch deine Website fließt
Die Verteilung von Linkjuice folgt mathematischen Prinzipien, die Google nie vollständig offengelegt hat. Grundsätzlich gilt aber: Eine Seite gibt ihren gesamten Linkjuice an alle ausgehenden Links weiter – aufgeteilt nach der Anzahl der Links auf der Seite.
Aus unserer Erfahrung mit hunderten Websites können wir sagen: Eine Startseite mit 100 ausgehenden Links verteilt ihren Linkjuice auf alle diese Ziele. Jeder einzelne Link erhält also nur 1% der verfügbaren Linkkraft. Eine fokussierte Seite mit nur 5 ausgehenden Links gibt jedem davon 20% weiter – ein massiver Unterschied.
Wichtige Regel: Nicht alle Links geben Linkjuice weiter. Links mit dem Attribut rel="nofollow" wurden ursprünglich entwickelt, um den Linkjuice-Fluss zu blockieren. Seit 2019 behandelt Google nofollow, sponsored und ugc allerdings als "Hints" – die Suchmaschine entscheidet selbst, ob sie den Links folgt oder nicht.
Faktoren die Linkjuice-Stärke beeinflussen
Nicht jeder Link überträgt gleich viel Autorität. Wir haben die wichtigsten Einflussfaktoren in dieser Übersicht zusammengefasst:
| Faktor | Auswirkung auf Linkjuice | Optimierungspotenzial |
|---|---|---|
| Domain Authority der Quelle | Je höher die Autorität der verlinkenden Domain, desto kraftvoller der übergebene Linkjuice | Hoch – durch strategischen Linkaufbau |
| Thematische Relevanz | Links von thematisch passenden Seiten haben mehr Gewicht als Off-Topic-Links | Sehr hoch – gezielte Auswahl der Linkquellen |
| Anzahl ausgehender Links | Je mehr Links auf einer Seite, desto weniger Juice erhält jeder einzelne | Mittel – Linkprofil der Partnerseiten beeinflussbar |
| Position des Links | Links im Hauptcontent werden stärker gewichtet als Footer- oder Sidebar-Links | Hoch – bei eigener Website vollständig kontrollierbar |
| Ankertext-Optimierung | Beschreibende Ankertexte helfen Google, die Relevanz der Zielseite zu verstehen | Sehr hoch – vollständig optimierbar |
| Aktualität der Quelle | Frische, regelmäßig aktualisierte Seiten geben wertvolleren Linkjuice | Mittel – durch Content-Pflege beeinflussbar |
Die Domain Authority ist dabei der wohl einflussreichste Faktor. Ein einzelner Link von einer vertrauenswürdigen News-Seite kann mehr bewirken als 50 Links von kleinen Blogs mit niedriger Autorität. Das haben wir bei zahllosen Backlink-Kampagnen beobachtet.
Linkjuice-Verteilung intern optimieren
Viele Website-Betreiber konzentrieren sich nur auf externe Backlinks und vernachlässigen die interne Linkjuice-Verteilung komplett. Dabei kannst du hier mit relativ wenig Aufwand große Hebel bewegen.
Strategische interne Verlinkung
Deine Startseite erhält typischerweise die meisten Backlinks und hat damit den höchsten Linkjuice. Durch gezielte interne Verlinkung kannst du diesen Juice auf wichtige Unterseiten weiterleiten:
- Hauptnavigation nutzen: Seiten in der Hauptnavigation erhalten automatisch von jeder Unterseite Linkjuice – wähle diese Positionen weise
- Breadcrumb-Navigation: Hilft nicht nur der Usability, sondern leitet auch Linkjuice hierarchisch weiter
- Kontextuelle Links im Content: Diese sind am wertvollsten, da sie von Google als echte Empfehlungen gewertet werden
- Hub-Pages aufbauen: Zentrale Übersichtsseiten zu wichtigen Themen, die auf Detailseiten verlinken
Ein häufiger Fehler: Seiten mit vielen eingehenden Links (wie die Startseite) mit dutzenden ausgehenden Links zu überladen. Wir empfehlen maximal 100-150 interne Links pro Seite, besser deutlich weniger.
Verwaiste Seiten identifizieren
Seiten ohne eingehende interne Links erhalten keinen Linkjuice und werden von Google oft gar nicht gefunden oder als unwichtig eingestuft. Prüfe regelmäßig mit Tools wie der Google Search Console oder Screaming Frog, welche Seiten keine internen Links haben.
Aus unserer praktischen Erfahrung: Sobald du wichtige Seiten mit 3-5 kontextuellen internen Links versorgst, verbessern sich deren Rankings merklich – oft schon innerhalb von 2-3 Wochen.
Externe Linkjuice: Quality over Quantity
Beim Aufbau externer Backlinks hat sich in den letzten Jahren ein fundamentaler Wandel vollzogen. Früher zählte die schiere Masse an Links, heute ist Qualität entscheidend. Google's Algorithmen erkennen minderwertige Linkquellen und ignorieren sie – im schlimmsten Fall führen sie sogar zu Abstrafungen.
Hochwertige Linkquellen erkennen
Wertvolle Backlinks stammen von Seiten mit:
- Hoher Domain Authority (DA 40+) – etablierte, vertrauenswürdige Websites
- Thematischer Nähe zu deinem Content – ein Link von einem Fachblog ist Gold wert
- Eigenem Traffic – Links sollten nicht nur Linkjuice, sondern auch Besucher bringen
- Redaktionellem Content – keine reinen Linkverzeichnisse oder gekauften Gastartikel, sondern natürlich entstandene Links durch hochwertigen Linkbait
- Sauberer Linkprofil – die Quelle sollte selbst kein Spam-Profil haben
Toxic Links von Spam-Domains, aus Linkfarmen oder thematisch komplett irrelevanten Seiten können deinem Ranking aktiv schaden. In solchen Fällen nutzen wir das Google Disavow Tool, um diese Links zu entwerten.
Häufige Fehler bei der Linkjuice-Optimierung
In unserer täglichen Arbeit sehen wir immer wieder die selben Fehler, die wertvolles Ranking-Potenzial verschenken:
1. Nofollow-Links intern setzen
Manche CMS setzen automatisch nofollow auf bestimmte interne Links. Das blockiert den Linkjuice-Fluss komplett unnötig. Interne Links sollten fast immer dofollow sein.
2. Wichtige Seiten nur im Footer verlinken
Footer-Links geben deutlich weniger Linkjuice weiter als Links im Hauptcontent. Wenn du eine Seite pushen willst, brauchst du kontextuelle Content-Links.
3. Zu viele Links auf der Startseite
Wir sehen oft Startseiten mit 200+ ausgehenden Links. Das verwässert den Linkjuice massiv. Fokussiere dich auf die wirklich wichtigen Ziele.
4. Link-Sculpting mit nofollow
Die alte Taktik, mit gezielten nofollow-Links den Linkjuice zu "lenken", funktioniert seit 2009 nicht mehr. Google hat diese Lücke geschlossen.
5. Orphan Pages ignorieren
Seiten ohne jegliche interne Verlinkung verschwenden ihr Potenzial komplett. Jede wichtige Seite braucht mindestens 2-3 interne Links.
6. Über-Optimierung der Ankertexte
Wenn alle eingehenden Links exakt das gleiche Keyword als Ankertext haben, wirkt das unnatürlich. Variiere die Ankertexte und nutze auch Markennamen oder generische Texte wie "hier klicken".
Linkjuice messen und tracken
Anders als bei Traffic oder Conversions lässt sich Linkjuice nicht direkt messen. Es gibt aber verschiedene Proxy-Metriken, die Aufschluss über die Linkjuice-Verteilung geben:
- Domain Authority (DA) – Moz-Metrik für die Gesamtstärke einer Domain (0-100)
- Page Authority (PA) – Autorität einzelner Seiten
- Domain Rating (DR) – Ahrefs-Äquivalent zur Domain Authority
- Trust Flow / Citation Flow – Majestic-Metriken für Vertrauenswürdigkeit und Linkvolumen
Diese Tools simulieren im Prinzip den alten PageRank-Algorithmus und geben dir einen Anhaltspunkt, wie Google deine Linkstruktur bewerten könnte. Perfekte Vorhersagen sind das nicht, aber für die strategische Planung durchaus nützlich.
Wir bei SEO Mannheim nutzen eine Kombination aus Ahrefs, Majestic und der Google Search Console, um ein vollständiges Bild der Linkjuice-Verteilung zu bekommen. Besonders interessant ist die Analyse, welche Seiten viel Linkjuice erhalten aber nicht optimal ranken – hier liegt oft großes Optimierungspotential.
FAQ: Häufige Fragen zu Linkjuice
Verliert eine Seite Linkjuice, wenn sie auf andere Seiten verlinkt?
Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Eine Seite verliert nicht ihre eigene Autorität durch ausgehende Links. Sie teilt nur den Linkjuice, den sie von anderen Seiten erhalten hat, mit ihren Linkzielen. Ausgehende Links zu qualitativ hochwertigen Quellen können sogar positiv wirken, da sie Google zeigen, dass du dich in einem seriösen Umfeld bewegst.
Wie viel Linkjuice geben nofollow-Links weiter?
Seit März 2020 behandelt Google nofollow, sponsored und ugc als "Hints" statt als absolute Anweisungen. Das bedeutet: Google kann selbst entscheiden, ob es den Links folgt oder nicht. In der Praxis beobachten wir, dass nofollow-Links deutlich weniger bis gar keinen Linkjuice weitergeben – aber eine hundertprozentige Blockade ist es nicht mehr. Für die interne Verlinkung solltest du trotzdem auf dofollow setzen.
Kann zu viel Linkjuice auf eine Seite schaden?
Nein, direkt schaden kann das nicht. Allerdings ist es eine Verschwendung von Potenzial. Wenn deine Startseite bereits gut rankt und massiv Linkjuice erhält, wäre es strategisch klüger, diesen Juice durch interne Verlinkung auf schwächere Unterseiten zu leiten, die noch Ranking-Potenzial haben. Es geht also eher um verpasste Chancen als um direkten Schaden.
Wie lange dauert es, bis neue Backlinks Linkjuice weitergeben?
Das hängt davon ab, wie schnell Google den neuen Link entdeckt und crawlt. Bei populären Seiten, die täglich gecrawlt werden, kann das innerhalb von Stunden passieren. Bei kleineren Blogs dauert es manchmal Wochen. Du kannst den Prozess beschleunigen, indem du die URL des neuen Backlinks über die Google Search Console zur Indexierung einreichst. In der Regel sehen wir erste Ranking-Effekte nach 2-6 Wochen.
Ist interner Linkjuice genauso wertvoll wie externer?
Nein, externer Linkjuice von fremden Domains ist deutlich wertvoller. Interne Links können nur den Juice umverteilen, den deine Website bereits hat – sie schaffen keinen neuen. Externe Backlinks bringen frischen Linkjuice von außen und erhöhen die Gesamt-Autorität deiner Domain. Trotzdem ist die interne Optimierung extrem wichtig, weil sie bestimmt, welche Seiten vom vorhandenen Linkjuice profitieren.