Domain Authority und Domain Rating: Was steckt wirklich dahinter?
Joel Heuchert
SEO Experte

Domain Authority, Domain Rating, Trust Flow. In keinem anderen Bereich kursieren so viele Zahlen wie in der SEO. Bei SEO Mannheim sprechen wir täglich mit Kunden, die ihre Rankings an diesen Werten messen. Das Problem. Die meisten verstehen nicht, was DA und DR wirklich messen und was nicht. Dieser Artikel räumt mit den häufigsten Missverständnissen auf.
Was ist Domain Authority?
Domain Authority, kurz DA, ist eine Metrik des SEO-Tool-Anbieters Moz. Sie skaliert von 0 bis 100 und soll vorhersagen, wie gut eine Domain in Suchmaschinen ranken könnte. Je höher die Zahl, desto stärker die Domain laut Moz.
Neue Websites starten typischerweise bei einem DA von 1. Große, etablierte Domains wie Wikipedia oder Spiegel.de erreichen Werte nah an 90. Der Wert ist logarithmisch skaliert. Das bedeutet, dass der Sprung von 20 auf 30 deutlich einfacher zu erreichen ist als der Sprung von 70 auf 80.
Zur Einordnung. Moz berechnet den DA auf Basis des eigenen Link-Index. Das Tool crawlt das Web, sammelt Backlink-Daten und leitet daraus den Score ab. Kein Google-Mitarbeiter hat an dieser Berechnung mitgewirkt.
Wie berechnet Moz die Domain Authority?
Moz zieht mehrere Faktoren heran, um den DA zu ermitteln. Die wichtigsten sind die Anzahl verlinkender Domains (sogenannte Referring Domains), die Qualität und Relevanz dieser Backlinks sowie die Gesamtstruktur des Linkprofils. Auch interne Verlinkung und technische Signale fließen ein, allerdings in geringerem Maß.
Wichtig zu verstehen. Moz aktualisiert den DA-Wert regelmäßig auf Basis frischer Crawl-Daten. Eine scheinbar unerklärliche Schwankung Ihres DA-Werts kann daran liegen, dass Moz seinen gesamten Index neu bewertet hat, nicht dass Ihre Website schlechter geworden ist.
Was ist Domain Rating?
Domain Rating, kurz DR, ist die vergleichbare Metrik des Tool-Anbieters Ahrefs. Auch hier geht die Skala von 0 bis 100, auch hier ist die Skala logarithmisch. Der Hauptunterschied liegt im zugrunde liegenden Datenbestand. Ahrefs betreibt einen der größten Backlink-Crawler weltweit. Das macht den DR in vielen Fachkreisen zur bevorzugten Metrik, weil der Datensatz schlicht umfangreicher ist.
Ahrefs berechnet den DR im Wesentlichen so. Sie schauen, wie viele eindeutige Domains auf eine Website verlinken und welchen DR diese verlinkenden Domains selbst haben. Das ist eine Art Kettenreaktion. Eine Verlinkung von einer Domain mit DR 80 zählt mehr als zehn Links von Domains mit DR 10.
DR vs. DA: Welche Metrik ist besser?
Keine von beiden ist per se besser oder schlechter. Sie messen dasselbe Konzept, nämlich die Stärke eines Backlink-Profils, auf Basis unterschiedlicher Datenquellen. In der Praxis empfehlen wir bei SEO Mannheim, immer beide Werte im Blick zu behalten, wenn möglich ergänzt durch den Trust Flow von Majestic. Wer nur auf eine Metrik starrt, verpasst das Gesamtbild.
Ein konkretes Beispiel. Eine junge aber thematisch sehr fokussierte Website kann einen DA von 25 haben, aber trotzdem für ihre Nischenkeywords auf Seite 1 ranken. Eine alte Domain mit DA 55, die viele irrelevante Links gesammelt hat, kann für dieselben Keywords weit hinten liegen. Zahlen ohne Kontext führen in die Irre.
Was ist der Unterschied zu Google PageRank?
Hier liegt das größte Missverständnis. DA und DR sind keine Google-Metriken. Google hat seinen eigenen PageRank-Algorithmus, den das Unternehmen intern nutzt. Den öffentlichen PageRank-Toolbar hat Google 2016 abgeschafft. Seitdem gibt es keine offizielle Google-Metrik mehr, die Außenstehende einsehen können.
DA und DR sind Versuche von Drittanbietern, die Logik hinter dem Google-Ranking näherungsweise abzubilden. Sie korrelieren mit den tatsächlichen Rankings, weil gute Backlinks tatsächlich ein Rankingfaktor sind. Aber sie bilden nur einen Teil der über 200 Faktoren ab, die Google in seinen Algorithmus einfließen lässt.
Verstehen Sie DA und DR also als Kompass, nicht als GPS. Sie zeigen eine Richtung. Sie geben Ihnen nicht die exakte Position.
Warum sind DA und DR trotzdem nützlich?
Auch wenn DA und DR keine direkten Rankingsignale von Google sind, haben sie ihren praktischen Wert. Wir bei SEO Mannheim nutzen sie täglich für drei konkrete Zwecke.
1. Konkurrenzanalyse
Wenn Sie ein neues Keyword angreifen wollen, schauen Sie sich die DA- oder DR-Werte der Top-10-Ergebnisse an. Haben alle Wettbewerber einen DR über 60 und Sie stehen bei 15, dann wissen Sie, dass Sie vor einem langen Linkaufbau-Weg stehen. Das hilft Ihnen, realistische Zeitrahmen zu setzen.
2. Backlink-Qualität bewerten
Wenn jemand Ihnen einen Gastbeitragslink anbietet, lässt sich mit DA oder DR schnell einschätzen, ob der Link den Aufwand wert ist. Eine verlinkende Domain mit DA 8 und DR 5 wird Ihrem Linkjuice wenig bringen. Eine mit DA 45 und DR 50 schon eher.
3. Fortschritt messen
DA und DR eignen sich als grobe Messgröße für Ihren Linkbuilding-Fortschritt über Zeit. Wenn Ihr DR nach sechs Monaten konsequenten Linkaufbaus von 12 auf 28 gestiegen ist, zeigt das, dass die Maßnahmen wirken. Auch wenn der genaue Zusammenhang zu einzelnen Ranking-Verbesserungen schwer zu isolieren ist.
Was ist eine gute Domain Authority?
Das hängt vollständig von Ihrer Situation ab. Ein DA von 25 klingt niedrig. Aber wenn Ihre direkten Wettbewerber durchschnittlich bei DA 20 liegen, sind Sie schon überdurchschnittlich aufgestellt. Kontext schlägt absolute Zahlen.
Als grobe Orientierung können folgende Richtwerte dienen.
- DA 1 bis 20. Neue oder wenig verlinkte Seiten. Für lokale Nischen oft ausreichend.
- DA 21 bis 40. Solide Grundlage. Viele mittelgroße Unternehmensseiten bewegen sich hier.
- DA 41 bis 60. Starke Domain mit gut ausgebautem Linkprofil.
- DA 61 bis 80. Sehr starke Domain, oft etablierte Medien oder große Unternehmen.
- DA 81 bis 100. Ausnahmedomains. Wikipedia, Reddit, große Nachrichtenportale.
Für ein lokales Unternehmen in Mannheim, das für lokale Suchanfragen ranken will, ist ein DA von 25 bis 40 oft völlig ausreichend. Die meisten lokalen Wettbewerber befinden sich im selben Bereich. Mehr Energie sollten Sie in ganzheitliche SEO-Maßnahmen stecken als in den DA-Wert selbst.
Wie erhöht man Domain Authority und Domain Rating?
DA und DR steigen nicht dadurch, dass Sie an ihnen direkt arbeiten. Sie steigen dadurch, dass Sie Ihr Backlink-Profil verbessern. Das sind die Maßnahmen, die in der Praxis funktionieren.
Hochwertige Backlinks aufbauen
Die effektivste Methode. Ein Link von einer thematisch relevanten, starken Domain hebt Ihren DR stärker als 50 Links von schwachen Seiten. Gastbeiträge, PR-Arbeit, digitale Erwähnungen in Fachmedien. Das sind die Wege, die funktionieren.
Content erstellen, der Verlinkungen anzieht
Studien, Infografiken, umfassende Ratgeber. Inhalte, die echten Mehrwert bieten, werden von anderen Websites freiwillig verlinkt. Das nennt sich Linkable Assets. Sie investieren einmalig in guten Content und erhalten dafür dauerhaft organische Backlinks.
Schwache oder toxische Links bereinigen
Spam-Links aus Linkfarmen oder irrelevanten Verzeichnissen können Ihr Linkprofil belasten. Mit dem Google Disavow-Tool können Sie solche Links entwerten. Das verbessert zwar nicht direkt den DA, aber es verhindert, dass schlechte Links Ihr Profil verwässern.
Technisches SEO nicht vernachlässigen
Eine technisch saubere Website wird leichter gecrawlt und indexiert. Schnelle Ladezeiten, saubere interne Verlinkung, korrekte Weiterleitungen. Das alles trägt dazu bei, dass vorhandene Linkpower optimal genutzt wird. Details dazu finden Sie in unserem Artikel zu Google-Ranking-Faktoren.
Alternative Metriken im Überblick
DA und DR sind nicht die einzigen Metriken dieser Art. Hier ein kurzer Überblick der wichtigsten Alternativen.
- Trust Flow (Majestic). Bewertet nicht nur die Menge der Links, sondern deren Vertrauenswürdigkeit. Eine Domain mit hohem Trust Flow hat Links von seriösen, redaktionell kuratierten Quellen.
- Citation Flow (Majestic). Misst die reine Linkmenge, ohne Qualitätsbewertung. In Kombination mit Trust Flow entsteht ein gutes Bild des Linkprofils.
- URL Rating (Ahrefs). Wie DR, aber auf Seitenebene statt Domainebene. Nützlich, um einzelne URLs zu bewerten.
- Semrush Authority Score. Das Pendant von Semrush, ebenfalls eine kombinierte Metrik aus Linkdaten und Trafficsignalen.
Die häufigsten Missverständnisse
Zum Abschluss räumen wir mit den hartnäckigsten Irrtümern auf, die uns bei SEO Mannheim regelmäßig begegnen.
Missverständnis 1: Hohe DA garantiert gute Rankings
Nein. DA ist ein indirektes Signal. Zwei Websites mit gleichem DA können völlig unterschiedlich ranken, abhängig von Content-Qualität, technischem SEO, Nutzersignalen und vielem mehr. DA ist ein Hilfsmittel, kein Garant.
Missverständnis 2: Google benutzt DA als Rankingfaktor
Nein. Google kennt Moz-Daten nicht und nutzt sie nicht. Google hat seinen eigenen Algorithmus. DA korreliert mit Rankings, weil beide auf Backlinks basieren. Korrelation ist keine Kausalität.
Missverständnis 3: Ich muss eine hohe DA haben, um lokal zu ranken
Falsch. Für lokale Suchanfragen spielen Google Business Profile, lokale Bewertungen, NAP-Konsistenz und Relevanz oft eine größere Rolle als der DA-Wert. Viele unserer Kunden ranken lokal hervorragend mit einem DA unter 30.
Missverständnis 4: Mehr Links sind immer besser
Nicht unbedingt. 500 Links von Spam-Seiten sind schlechter als 10 Links von seriösen Branchenportalen. Qualität und Relevanz schlagen Quantität fast immer.